Hexenschuss (Lumbago)

Definition:

  • Akute Rückenschmerzen treten entweder erstmalig oder nach mindestens sechsmonatiger Beschwerdefreiheit innerhalb eines Tages auf und halten für höchstens drei Monate an.
  • Zeitweilige Rückenschmerzen halten für höchstens drei Monate an und kehren innerhalb eines Jahres nicht wieder.
  • Wiederkehrende Rückenschmerzen sind mit mehr als einer Episode an weniger als der Hälfte der Tage eines Jahres vorhanden.
  • Chronische Rückenschmerzen sind mit meist mehr als einer Episode an mehr als der Hälfte der Tage eines Jahres vorhanden.

Die altertümlichen Bezeichnungen Hexenschuss, Alpschoss, Beinschuss, Geschoss, Hexenstich, Lendenübel, Schuss oder Speer deuten auf vorwissenschaftliche Erklärungsmuster hin.

Als Hexenschuss bezeichnet man volkstümlich auch einen plötzlichen, stechenden Schmerz im Rücken, der durch Reizung der sensiblen Eigeninnervation der Wirbelsäule ausgelöst wird, d.h. der Nerven, welche die Wirbelsäule selbst versorgen - also nicht durch Kompression der aus der Wirbelsäule austretenden Spinalnerven, die den übrigen Körper versorgen. Es handelt sich um einen häufig akut einsetzenden, zunächst segmental, meist stechenden Kreuzschmerz, der oft mit Lähmungsgefühl, Zwangshaltung, Bewegungssperre, Hartspann, Dornfortsatzdruckschmerz, etc. verbunden ist. Nach einem schmerzarmen Intervall ist evtl. der Übergang in eine chronische Form möglich. Die Abgrenzung zu den Nervenwurzelreizungen wie z. B. dem Ischiassyndrom ist nicht immer ohne Weiteres möglich. Der Arzt spricht gelegentlich von einer „pseudoradikulären Symptomatik“, wenn das Schmerzgebiet zwar ausstrahlt, aber nicht mit dem Dermatom eines Spinalnerven übereinstimmt.

Symptome:

Heftige Schmerzen treten plötzlich im Lendenwirbelbereich auf. Die Bewegungen sind durch den Schmerz sehr stark eingeschränkt. Sowohl Sitzen als auch Liegen bringen oft keine Besserung. Aufrechtes Stehen ist nicht mehr möglich, automatisch nimmt man eine Schonhaltung ein. Niesen, Husten oder Lachen verstärken die Schmerzen. Die Rückenmuskulatur ist verhärtet, die Dornfortsätze der Wirbel reagieren schmerzempfindlich auf Druck.

Ursache:


Häufig sind die Auslöser für die abrupte Muskelverhärtung ungewohnte, schnelle Drehbewegungen der Wirbelsäule. Dies kann beispielsweise beim Heben von schweren Gegenständen oder bei einem Sturz oder beim schnellen Aufstehen passieren. Der Hexenschuss wird auch begünstigt durch Kälte oder Zugluft im Lendenwirbelbereich. Eine schwach ausgebildete Muskulatur im Rücken- und Bauchbereich ist die Hauptursache der Beschwerden. Die schwachen Muskeln machen keine Beschwerden, erhöhen jedoch das Risiko, bei Belastungen der Wirbelsäule durch Heben, Bücken oder Drehen einen Hexenschuss zu erleiden. Eine Bindegewebsschwäche, Übergewicht, eine verstärkte Beweglichkeit (Hypermobilität) in bestimmten Abschnitten der Wirbelsäule und eine schlechte Haltung sind weitere Risikofaktoren. Ein Hexenschuss kann auch die Folge von schwerwiegenden Gesundheitsstörungen sein. Dazu zählen: Bandscheibenschäden (vor allem ein Bandscheibenvorfall) und Tumoren des Rückenmarks, an den Wirbeln oder im Bereich des kleinen Beckens und des Bauchraums.